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100 Jahre Alfons Hochhauser                               

Am 15. Mai 2006 wäre Alfons Hochhauser, der unter dem Namen Xenophon weltbekannt wurde,  100 Jahre alt geworden. Die Bukanier, die schon mehrmals auf dessen Spuren im Piliongebirge unterwegs waren, möchten das Jubiläum dieses eigenwilligen, zähen Überlebenskünstlers nicht einfach spurlos verwehen lassen.

Foto: Leo Rohrer

Deshalb haben wir aus Schriften von und über ihn eine Skizze seines abenteuerlichen Lebens aufgezeichnet. Ungewollte Fehler möge man nachsehen.
Über deren Richtigstellung oder Kommentare im Gästebuch über ihn, würden wir uns freuen. Wer Werner Helwigs bekannten Abenteuerroman Raubfischer in Hellas gelesen hat, weiß bereits etwas über Alfons Hochhauser, denn dessen Erlebnisse bei den Dynamitfischern der Ägäis diente Helwig als Stoff für seinen Roman. Clemens oder Xenophon heißt der Held im Roman, der die vom Autor romantisierten Abenteuer des Alfons Hochhauser besteht. Werner Helwig hat aus dessen Aufzeichnungen und Erzählungen und aus eigenen Eindrücken und Erlebnissen drei, in losem Zusammenhang stehende Romane geschaffen: Raubfischer in Hellas (1939), Im Dickicht des Pelion (1941) und Reise ohne Heimkehr (1953). 

Hochhauser und Helwig 1935,  Foto bei Ursula Prause

Alfons Hochhauser war kein Mitglied der Jugendbewegung. Sein abenteuerliches Leben kam aber den in der Jugendbewegung idealisierten Lebensformen sehr nahe. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb er in jugendbewegten Kreisen bis heute eine gewisse Faszination ausübt. In der heutigen Zeit, in der viele Menschen mit Konsum und Karriere zweifelhaften Idealen nachjagen, kann die Lebensweise Alfons Hochhausers Impulse zu Alternativen geben. 

Alfons Franz Emmerich Hochhauser wird am 15. Mai 1906 als Sohn des Holzhändlers Andreas Hochhauser und dessen Ehefrau Hermine Hochhauser, geb. Senekowits, in Judenburg in der Steiermark geboren. Wie viele wilde Jungen und Mädchen geht er nicht sehr gerne in die Schule. Aufgrund der bei ihm sehr stark ausgepräg- ten Abenteuerlust reißt er mit 14 Jahren von zu Hause aus. Mit Mühe kann er von seinen Eltern wieder heimgeholt werden, um wenigstens die Mittelschule zum Abschluss zu bringen.

Foto: Alfons mit 17 Jahren

Mit 17 Jahren treibt ihn sein unbestimmtes Fernweh in die weite Welt. Vagabundierend tippelt er durch Italien, Frankreich, Spanien, Tunesien, Ägypten und Palästina. In seinem Wesen ein anständiger, ordnungsliebender Mensch,  lernt er die Schattenseiten des Landstreicherlebens kennen. Als Schnorrer, Kellner, Schiffsjunge und Zisternenputzer kämpft er hart um das tägliche Überleben.

 Nach zwei Jahren kehrt er ziemlich abgerissen in sein Elternhaus zurück. Dort hält es ihn aber nur zwei Wochen. Mit einer Filmkamera, 1926 der letzte Schrei, zieht er nach Thessaloniki, um mit drei Freunden Werbefilme zu drehen. Nach Hochhausers Darstellung verleben die Vier aber viel lieber die Vorschüsse ihrer Kunden, als etwas Produktives zu leisten. Deshalb sei das Unternehmen zum Flop geraten. Der Schriftsteller Ernst Kreuder, der ebenfalls zu dem unrühmlichen Kleeblatt gehörte, habe seine Erlebnisse in seinem bekannt gewordenen Roman „Die Gesellschaft vom Dachboden“ verarbeitet.
Kreuder gibt diese Episode in seinen Aufzeichnungen anders wieder. Eine betrügerische Absicht ist hier nicht erkennbar. Die Vier hätten vielmehr unter Geldmangel und Krankheiten gelitten. Hochhausers Kamera sei an der Grenze vom Zoll beschlagnahmt worden. Die Vorschüsse der Firmen hätten allein dazu dienen sollen die Kamera wieder auszulösen und die versprochenen Aufträge zu erfüllen.

1927 kommt Alfons Hochhauser per Zufall auf einer Bootsfahrt mit Freunden in die Gegend, die heute fast untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Es ist die wilde, buchtenreiche Küste des Piliongebirges, die an seinem Ostsaum steil in die Ägäis abfällt. Hier trifft er auf seine späteren Freunde, die Dynamitfischer - hier erlebt er die Abenteuer fast so, wie sie in Werner Helwigs Griechenland-Romanen geschrieben stehen. Zeitweise lebt er als Hirte im Gebiet der vergessenen Ruinenstadt Mitzela in einem hohlen Baum. In einer Felsenhöhle der schroffen Kuluribucht macht er eine Kneipe für die Dynamitfischer auf.

Von dort aus marschiert er fast täglich mit einer Holzkiste voll Fisch, die er von den Dynamitfischern als Wirtslohn erhält, 40 km weit und dabei 1000 Höhenmeter überwindend, über das felsige, schluchtenreiche Gebirge bis zu der Hafenstadt Volos. Dort verkauft er die Fische und kehrt abends mit der leeren Kiste wieder zurück nach Kuluri, in seine Kneipe, wo schon seine Gäste auf ihn warten.

 Alfons mit Fischkiste, Foto bei Ursula Prause

Später wird er selbst Dynamitfischer. Bei dem berüchtigten Seefahrer und Schmuggler Psarathanas gerät er in Sklaverei – lernt aber dadurch alle Kniffe, die man braucht um mit einem Fischerboot umzugehen. Werner Helwig lässt seinen Romanhelden Clemens den Psarathanas töten. In Wirklichkeit ging die Sache anders aus. Psarathanas und Hochhauser trennten sich in gegenseitiger Achtung voneinander. Hochhauser legte zeitlebens Wert darauf, nicht im Ruf zu stehen, den Psarathanas getötet zu haben.

In dieser Zeit erhält er von den Einheimischen seinen berühmt gewordenen Namen „Xenophon“, den er gerne und mit Stolz getragen hat. Xenos, den Fremden, nannten ihn die einen, andere sagten Alfon zu ihm. Aus der Verbindung dieser beiden Namen wurde Xenophon.

Manche Gefahr musste der Xenophon durchstehen, bis er von den rauen Gesellen der Ägäisküste und des Piliongebirges völlig als einer der Ihren akzeptiert wurde. Fast wäre er mit einem glühenden Holzscheit geblendet worden, weil er leichtfertig die Heirat eines Hirtenmädchens ablehnte und dadurch ungewollt den Vater beleidigte. Beinahe wäre er erstochen worden, weil er unwissend die Gastfreundschaft eines Griechen missdeutete, mit dem er im Streit stand.

1935 verschlägt es den Schriftsteller Werner Helwig zu Alfons Hochhauser auf den Pilion, den er von einem Treffen mit Wandervögeln kennt. Die beiden unternehmen Bootsfahrten miteinander und befreunden sich. Aus Erzählungen und Aufzeichnungen erfährt Helwig von dessen Abenteuer und macht daraus die bereits genannten Romane. Hochhauser war mit einigen Abweichungen von der Realität in den Romanen nicht einverstanden und stritt mit Helwig über Jahrzehnte wegen der Urheberrechte. Erst in Hochhausers letzten Lebensjahren kam es zu einer Versöhnung und zu einem freundschaftlichen Briefwechsel.

1937, am Vorabend des 2. Weltkriegs - Alfons Hochhauser glaubt sich in Griechenland völlig integriert - wird zufällig ein russisches Schiff von einem unbekannten U-Boot vor der Insel Euböa versenkt. Hochhauser gerät in den Verdacht eines Kollaborateurs und wird von den griechischen Behörden zunächst als unerwünschter Ausländer verfemt und später des Landes verwiesen.

1938 segelt er deshalb schweren Herzens mit seinem Fischerboot bis nach Albanien. Bei Dubrovnik findet er bei einem Hotelbesitzer Arbeit und lernt dabei seine große Liebe, die Berliner Malerin Charlotte Scholz, kennen. Er verkauft er sein Boot und kehrt mit ihr nach Österreich zurück. Sie heiraten am 29.07.1939 nur standesamtlich in Fronleiten, denn er ist katholisch und sie ist evangelisch. Am 12. Januar 1940 wird seine Tochter Charlotte geboren. Das junge Glück währt aber nur kurz - Mutter und Kind sterben am 16. Januar 1940 am Kindbettfieber. Alfons Hochhauser verwindet den Tod seiner Familie sein ganzes Leben nicht.

Alfons und Charlotte am Tag nach ihrer Hochzeit. Foto bei Irene Dunkl   

Zunächst erfolgt deswegen ein Selbstmordversuch, indem er von einem Dampfer in die eiskalte Ostsee springt. Zu dieser Zeit ist er bereits Soldat der Wehrmacht. Während er 1942 zu einer Dolmetschereinheit nach Berlin einberufen wird, rüstet der Wiener Unterwasserpionier Hans Hass zu einer Tauchexpedition in die Ägäis.                        

Hans Hass hat zufällig erfahren, dass es den Xenophon aus Helwigs Roman tatsächlich gibt. Er sucht Alfons Hochhauser in Berlin auf und gewinnt ihn als Teilnehmer für seine Expedition.

Alfons (mit Mütze), 1942, Foto bei Hans-Hass-Institut

Von da an wird Hochhauser ein geschätzter Mitarbeiter von Hans Hass. Er nimmt viele Jahre an den damals spektakulären Tauchexpeditionen teil, u.a. an der berühmten „Xarifa-Expedition“ in die Karibik und in den Pazifik. Dabei ist er als rechte Hand von Hans Hass für die Expeditionsausrüstung zuständig.

1956 zieht es Alfons Hochhauser in seine Wahlheimat den Pilion zurück. 1959 tut er sich dort mit seiner Lebensgefährtin Chariklia zusammen. Diese heiratet er später und konvertiert deshalb zum orthodoxen Glauben. Dies hat zur Folge, dass er von Alfons in Andreas Hochhauser umgetauft wird.           

Chariklia 1963, Foto:Jürgen Kahle

Mit Chariklia gründet er auf der Insel Trikeri, in einem alten Kloster, ein Feriendomizil für Leute mit Sehnsucht nach Natur, griechischer Ursprünglichkeit und innerer Einkehr. Fürsten und namhafte Künstler sollen bei ihm zu Gast gewesen sein. Viele Jahre geht das Geschäft gut, bis die Miete für das Kloster immer weiter in die Höhe klettert. Als die Sache für Alfons und Chariklia unwirtschaftlich zu werden beginnt, rüstet der Xenophon wieder einmal sein Boot und kehrt sozusagen zu seinen Anfängen in die Kuluribucht zurück. Chariklia ist die Tochter des  Barbajani Weinas, dem Fasshauer, der einst ebenfalls bei den Dynamitfischern in Kuluri lebte.                              

Von ihm hat sie dort Grundbesitz geerbt - genau den, auf dem einst Xenophons Raubfischerkneipe stand. Nach deren Konstruktion baute Alfons jetzt nach drei Seiten offene Ferienhütten in den Hang.

Kuluri 1979, Foto: Ulrike Erlacher

Damit versuchte er eine Art von frühem Outdoor-Tourismus zu betreiben. Der Pensionsbetrieb im Sommer war in Kuluri aber beschwerlich, denn das Wasser musste von einer fernen Quelle mit dem Boot herbeigeschafft werden und Wassertoiletten gab es auch nicht. Trotzdem hatten die beiden damit ihr Auskommen.

So um 1976 macht sich Alfons Hochhauser intensive Gedanken um seinen Tod. Es ist sein Wunsch,  in einem ordentlichen Grab seine Ruhe zu haben. Er merkt, dass seine Gesundheit und Körperkräfte allmählich schwinden. Das Ende seiner eigenwilligen und eigenständigen Lebensweise scheint ihm immer näher zu rücken.

Nachdem er zuvor in Kuluri sein Grab ausgehoben  und sich bei seinen Freunden verabschiedet hat, steigt er am 15. Januar 1981 bei strengem Frost auf den dem Kloster Flamouri benachbarten Bergrücken Koromilia hinauf und lässt sich dort erfrieren. Er hinterlässt einen Abschiedsbrief.

Xenophons Grab in Kuluri, Foto: D.Harsch

Seine sterblichen Überreste ruhen heute in dem, von ihm selbst zu Lebzeiten geschaffenen, einsamen Familiengrab oberhalb der Kuluribucht.

Alfons Hochhauser war ein Mensch, der sein Leben buchstäblich in die eigenen  Hände genommen hat. Er suchte in seiner Jugend nach etwas Unbestimmtem, das er an der steilen Felsenküste Piliongebirges gefunden zu haben glaubte.

Er wollte am einfachen, naturgemäßen Leben der Ägäisfischer, die im Einklang mit dem Meer und den Naturgewalten lebten, teilhaben. So schuf er sich dort mit nur wenigen Hilfsmitteln seine eigene selbstbestimmte Welt. An ihr hielt er im zähen Ringen fest bis an sein Lebensende.  Als ihm diese Freiheit und Selbstbestimmtheit nicht mehr möglich schien, schied er aus freiem Willen aus dem Leben. Möge ihm in der selbstgewählten Heimat der ewige Frieden beschieden sein.

Gedenkplatte auf Koromilia, Foto: Michael Kohlhase                               Michael Kohlhase

 

post@alfons-hochhauser.de