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In Griechenland liegt jetzt der Roman Raubfischer in Hellas von Werner Helwig,

in der Übersetzung von Irini Kyrannos vor. Der griechische Titel lautet

Οι Ληστές του Βυθού, was etwa mit "Die Plünderer des Meeresgrundes" zu

übersetzen ist. 

 

Vorwort zur griechischen Ausgabe des Romans

„Raubfischer in Hellas“ von Werner Helwig

Im Nordosten des Piliongebirges, zwischen den Dörfern Pouri im Süden und Veneton im Norden, beobachten Hirten, Köhler, Jäger und Fischer seit den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts immer wieder ausländische Wanderer, die in dieser gottverlassenen Gegend umherstreifen. Oft sind es Gruppen, nicht selten einzelne Personen, Jugendliche, aber auch betagte Männer. Manchmal ist sogar eine Frau dabei. Und fast immer handelt es sich um Deutsche. Fragt man sie, was sie ausgerechnet in diese einsame Gegend führt, die in keinem Reiseführer erwähnt wird, so ziehen sie möglicherweise ein kleines Buch aus der Tasche: Helwigs Raubfischer. Dieses Buch hat sie hierher geführt. Sie wollen den Spuren des Romans folgen und die Orte der Handlung aufsuchen.

                                                                                                                        

„Raubfischer in Hellas“ von Werner Helwig erschien in Deutschland schon 1939. Es gab Übersetzungen ins Niederländische, Italienische und Französische. Der Roman wurde in vielen verschiedenen Ausgaben, zuletzt 1992, immer wieder neu aufgelegt und erreichte hohe Auflagen. Der Protagonist des Romans, Clemens oder Xenophon, ist der legendäre Alfons Hochhauser (1906 – 1981). Er lebte von 1926 bis 1938 als Schweinehirt, Gastwirt und Fischer im Pilion und auf den Nördlichen Sporaden. Ende der Zwanzigerjahre betrieb er in Koulouri bei Veneton eine einfache Taverne, in der hauptsächlich Dynamitfischer verkehrten. Sie bezahlten ihre Zeche mit Fischen, die Hochhauser in Volos und in den Peliondörfern verkaufte. Während des Krieges war er 1942 zunächst mit dem Tauchpionier Hans Hass als Ortskundiger und Fischereiexperte auf einer Expedition in der Ägäis unterwegs. Anschließend diente er in Griechenland bis Kriegsende als Dolmetscher bei der Wehrmacht.  Vorwürfe, er habe für Deutschland spioniert und dem griechischen Widerstand dadurch geschadet, konnten nie bewiesen werden. Dass er durch geschickte Übersetzungstätigkeit immer wieder Griechen vor harten Strafen oder gar vor dem Tod gerettet hat, haben viele Zeitzeugen bestätigt. 1957 kehrte er nach Griechenland zurück. Als Pionier eines sanften Tourismus führte er zusammen mit seiner griechischen Frau Chariklia bis 1969 in einem verlassenen Kloster auf der Insel Trikeri eine alternative Pension. Nachdem dort der Pachtzins für ihn zu teuer wurde, beherbergte er seine Sommergäste bis 1980 wieder in Koulouri in einfachen Hütten. Im Januar 1981 suchte und fand er den Tod durch Erfrieren auf einem einsamen Bergrücken im Piliongebirge. Kostas Akrivos, der Schriftsteller aus Volos, hat ihm mit seinem Roman „Pios thymatai ton Alfons“, der 2010 erschien und 2012 auch ins Deutsche übersetzt wurde, ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt.

 

Der Schriftsteller Werner Helwig (1905-1985) hat Hochhauser zwischen 1935 und 1938 dreimal für längere Zeit besucht. Auf langen gemeinsamen Bootsfahrten und Wanderungen erzählte Hochhauser ihm von seinen Abenteuern und gab ihm bei seiner Abreise schriftliche Aufzeichnungen darüber mit. Zusammen mit seinen eigenen Erlebnissen bildeten sie die Grundlage für „Raubfischer in Hellas“ und auch für seine weiteren Griechenlandromane[1]. Wie intensiv Helwig diese Bootsfahrten und das Umherstreifen in der Pilionlandschaft in sich aufgenommen hat, ist beim Lesen des Romans durchweg zu spüren. Man fühlt sich angesteckt und aufgefordert, den Pelion Helwigs und Hochhausers selbst zu erkunden: Die Katzenbuckelbrücke über den Geisterfluss, die geheimnisvolle Ruinenstadt Palia Mitzela, Aspro Wrachos, den Ovrios-Strand, die vielen versteckten Kapellen, die Limnionabucht mit dem Schlangenbrunnen, das Kloster Flamouri, die mythenumrankten Meereshöhlen sowie die Reste der Raubfischerkneipe in Koulouri und natürlich die schönen Peliondörfer Zagora, Horefto, Pouri, und Veneto. All das kann auch heute noch erwandert oder mit dem Boot erreicht werden. Der Roman wird auf diese Weise wieder zum sinnlichen Erlebnis.

 

74 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Romans liegt nun endlich auch eine griechische Ausgabe vor. Werner Helwig hätte sich darüber sicher sehr gefreut. Die Griechen haben jetzt die Möglichkeit, wenn auch recht spät, auf griechisch zu lesen, wie ein österreichischer Aussteiger und ein deutscher Schriftsteller das Leben in den Dörfern und an den Küsten des Pilion wahrnahmen. Vielleicht hat mancher Leser Einwände zu den Beschreibungen oder kann sie nur schwer als authentische Aufzeichnung der damaligen Lebensweise akzeptieren, da sie aus der Perspektive von zwei Ausländern dargestellt wird. Auf alle Fälle sind es einzigartige Schilderungen des Lebens auf dem Pilion vor über 80 Jahren. So illustriert der Roman eine unbekannte oder vielleicht auch vergessene Vergangenheit und bietet dem Leser eine spannende, abenteuerliche Lektüre, die von der leidenschaftlichen Liebe zur hellenischen Welt durchdrungen ist.

Großes Lob und Dank gebührt Irini Kyrranos für ihren Mut und die Mühe, den sprachlich sehr schwierigen Text ins Griechische zu übertragen.

 

Etwa zeitgleich mit dem Erscheinen dieses Buches wird in Horefto/Zagora ein ökologisch-kulturelles Projekt entstehen. Der Freundeskreis Alfons Hochhauser, in dem sich Griechen und Deutsche zusammengefunden haben, möchte mit einem kleinen Museum, das an den österreichischen Griechen erinnern soll, aktiv werden. Kulturelle Angebote und Initiativen zum Naturschutz im Nordosten des Pilion sind gleichfalls geplant. Der Freundeskreis wird auch geführte Wanderungen und Bootsausflüge zu den Handlungsorten des Romans organisieren.

 

Dieter Harsch

 

Kontaktadresse zum Freundeskreis Alfons Hochhauser :

Sunray1@otenet.gr

Weitere wichtige Internet-Seiten zum Thema:

http://de.wikipedia.org/wiki/Raubfischer_in_Hellas

http://www.wernerhelwig.de/

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Helwig

http://de.wikipedia.org/wiki/Alfons_Hochhauser

 [1] Von Helwig sind in Deutschland vier weitere Griechenlandromane erschienen: „Im Dickicht des Pelion“ 1941, „Gegenwind“ 1945, „Die Widergänger“ 1952 und „Reise ohne Heimkehr“ 1953.

 

post@alfons-hochhauser.de