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Irene und Peter Dunkl standen Alfons Hochhauser in seinen letzten Jahren am nächsten.

Sie erinnern sich:

 

„Irini und Peter Dunkl –

welch verschlungene, weite Wege mussten wir gehen, um uns doch noch zu begegnen. Das war mir eine große Freude. Und ich hoffe, dass die Erinnerung an unsere gemeinsamen Tage auf Klouri, zur Zeit der Sommer-Sonnenwende 1978, in Euch noch ein Weilchen weiterlebt.

Euer getreuer Alfons Hochhauser“

 

Diese von A.H. selbst geschriebenen Worte stehen in einem Exemplar der „Raubfischer in Hellas“ (Ausgabe MCMLIX aus der Werkstatt Jakob Hegner – Köln und Olten), welches Alfons uns geschenkt hat. Das erwähnte Jahr 1978 hatte eine lange Vorlaufzeit, welche bis 1972 zurück reicht – und eine noch längere Nachwirkung.

Vom Juni 1978 bis zum Tod von Alfons durften wir viele Tage voller Entdeckungen und guter Gedanken gemeinsam mit ihm erleben. Wir haben aber auch Monate heftiger Gefühlsausbrüche erlebt, in denen seine Donnerstimme am Pilion Zorn oder auch Lebensfreude ausdrückte.

Ein paar Worte zur Vorlaufzeit: Im Jahr 1952 hatte ich in Graz in der Handelsakademie einen Klassenkameraden namens Bruno Hochhauser, der mir erzählte, dass sein Vater an Expeditionen von Dr. Hans Hass teilgenommen habe, unter anderem in Griechenland. Bruno ist Adoptivsohn von A.H. Als einziger aller Kinder trug er den Namen Hochhauser.

Später, etwa 1958, begegnete mir Bruno wieder als Arbeitskollege bei einer Versicherungsgesellschaft in Graz. Gemeinsam mit uns arbeitete dort auch Irene, die später meine Frau wurde. Der Wunsch kam auf, den Abenteurer A.H. in Griechenland zu besuchen.

Bruno schaffte es 1963 per Autostop durch Jugoslawien bis nach Volos und dann auf die Insel Trikkeri. Alfons hat seinen Bruno sehr geliebt.

 Irene und ich wagten erst 1971 eine Autofahrt nach Griechenland. Da wir kein Griechisch konnten, und die von uns auf Englisch befragten Griechen von A.H. nichts wussten, sind wir nicht nach Koulouri gelangt, wo A.H. damals schon wohnte.

1978 half uns der Zufall: In Volos sahen wir Alfons auf der Straße gehen und konnten ihn ansprechen. Er lud uns sofort ein,, nach Kuluri mitzukommen.

  

In den folgenden Jahren herzlicher Freundschaft hat Irene auf Kuluri im Gästebetrieb geholfen. Alfons wurde ihr Freund, Bruder und Vertrauter. So ist es wohl zu verstehen, dass seine letzten Gedanken und Worte sowie viele schriftliche Unterlagen an uns adressiert waren. A.H. verbrachte den Herbst 1980 in Graz und bei Freunden in Bayern. Dann besuchte er gemeinsam mit uns in Triest seinen Freund Dr.Franz Pernegger, welcher dort österreichischer Konsul war. Am 16.11.80 brachten wir Alfons nach Laibach zum Zug nach Griechenland. Seine Briefe von dort im Dezember klangen recht zuversichtlich, zumal wir für 1981 noch eine Bootsreise planten: Auf der Route der „Reise ohne Heimkehr“.

 Als wir Jänner und Februar 81 keine Post erhielten, begannen wir mit Nachforschungen, in die auch Frau Skretas vom deutschen Konsulat in Volos eingeschaltet war.

Alfons hatte am 15.1.1981 Kuluri verlassen und den Schlüssel zu seinem Haus wie üblich beim Postboten in Veneton hinterlegt. Nach dem sehr strengen Winter konnte der griechische Schwiegersohn aus Volos erst im März bis Koulouri vordringen. Im dortigen Steinhaus lag ein an uns adressierter Brief, welcher in der Folge im deutschen Konsulat geöffnet worden ist.

Aus dem Inhalt hier einige Textzeilen:

 „…Wie stelle ich mir dieses Abtreten vor? Eben nach den Höhen über Koulouri im Winter aufzusteigen und da oben vor Erschöpfung und Kälte richtig einzugehen und aufzuhören… Vielleicht fällt mir das jetzt noch leichter, weil mich kein Umstand direkt oder mit Zeitdruck dazu zwingt.“ 

Faksimile aus den gleichen Brief

Es folgte eine amtliche Suchaktion, angeführt vom Hirten Kostas Galatos aus Veneton und von Michalis Loussis aus Volos; dahinter die Polizei. Am 14.3. fanden sie auf der fast 900 m hoch gelegenen Koromiliá den Leichnam von Alfons, zum Teil noch vom Schnee bedeckt. In seinem Rucksack fand man einen Zettel mit folgender Handschrift:

 „Auf Koromiliá, 15.1.1981 – Do(nnerstag), bei Euch wird es ½ 3 Nachmittag. Da ist ein abgeschnittener Baum, die gerade Schnittfläche ist mein Tisch. Ich kann es gar nicht glauben –

Also, an wen schreibe ich? Natürlich an die Freunde Irini und Peter, Jutta und Sigi und natürlich denke ich auch an Franzl, dessen Schuhe mich da hinaufgebracht haben.“

Auf einem zweiten Zettel:

„…Ja ich bin zufrieden, zufrieden daß es aus ist. Es war genug, fast zuviel.“

 Am Sonntag, 15.3.81 erhielten wir vom Konsulat die Nachricht per Telegramm. Nach einer Autofahrt von 23 Stunden waren wir in Volos. In der Anatomie des Krankenhauses konnten wir uns von Alfons verabschieden. Er lag wie friedlich schlafend auf dem Blechtisch. Anschließend kam es am Friedhof zur Einsegnung durch den „Donner-Popen“ von Trikkeri und zur Beerdigung.

Zu den im Abschiedsbrief genannten Personen: Franzl ist der schon erwähnte österreichische Konsul. Jutta und Dr. Siegfried Wagner aus Hengsberg sind Freunde aus der Trikkerizeit.

 1985 im September haben Irene und ich die Exhumierung von Alfons organisiert. Die griechischen Verwandten von Alfons sowie griechische und österreichische Freunde gaben ihm die letzte Ehre.

 

Der Totengräber hatte schon am Vormittag allein das Skelett freigelegt. Als wir am Mittag zum offenen Grab kamen, fehlten dem Schädel schon die Goldzähne. Im Stirnknochen war ein frisches Loch – wohl vom Krampen des eiligen Ausgräbers herrührend…

 

 

 

 

Die Knochen wurden in der Waschküche am Friedhof von Volos unter Fließwasser mit einer Wurzelbürste gereinigt.

                                                                                                                           

 

Das symbolische Waschen mit Wein besorgte dann der „Donner-Pope“, der ihn auch aussegnete. Anschließend reiste „unser Alfón-Andreas“, verpackt in einem Plastiksack, mit uns und den Freunden nach Koulouri, wo er in dem noch von ihm selbst gebauten Grabmal seine endgültige Ruhe fand.

 

                           Kostas Galatos und Michalis Loussis mit den Gebeinen von Alfons an der Grabstätte in Kuluri    

Wir möchten unsere Erinnerungen abschließen mit Irenes vielfach reproduziertem Foto vom April 1980. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr Kommentar dazu:

„Alfons hat den Tintenfisch in der Hafenrinne von Koulouri gefangen. Da damals der letzte Provianttransport gerade wegen Schlechtwetter ausgefallen war, und wir schon eine Woche von Bohnen und Spaghetti gelebt hatten, war dies eine willkommene Bereicherung unseres Speisezettels.“

 

Im August 2011

Peter Dunkl

  

post@alfons-hochhauser.de