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Masterarbeit über das Thema

Alfons Hochhauser - 

Zwischen Wahrheit und Fiktion

vorgelegt von

Olympia Aikaterini Makri

dem Prüfungsamt bei der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Fachbereich 06 Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft

in Germersheim

Referenten:

Torsten Israel, M.A.

und

PD Dr. Christos Karvounis

Prüfungstermin: WiSe 2018

____________________________________________________________________                                                                                                                            Olympia Aikaterini Makri geht in ihrer Masterarbeit der Frage nach, ob und in wieweit es möglich ist, in den literarischen Arbeiten über Alfons Hochhauser Realität und Fiktion zu trennen. Sie beschränkt sich dabei weitgehend auf den biografischen Roman von Kostas Akrivos „Ποιος θυμάται τον Αλφόνς“ von 2010, in der deutschen Ausgabe „Alfons Hochhauser – Der Barfußprophet von Pilion“, 2012.

 

Anhand von fünf Themenbereichen versucht sie, sich der Persönlichkeit Hochhausers zu nähern und etwas mehr Licht in das Mythendickicht um den österreichischen Aussteiger und Wahlgriechen zu bringen.

 

       Er, der zunächst seit 1927 unter Bauern, Hirten und Fischern lebte, kehrte 1942 als Angehöriger der Wehrmacht und damit als Teil eines brutalen Besatzungsregimes nach Griechenland zurück. Dies ist bis heute das zentrale Thema unter dem in Griechenland über Hochhauser kontrovers und leidenschaftlich diskutiert wird.

       Sein Verhältnis zu den Mitmenschen in Griechenland und zu Behörden, Polizei und insbesondere zur Kirche wird dann im nächsten Abschnitt untersucht.

       Ein weiteres Thema ist Hochhausers Weltanschauung. Da ist zum einen ein naiver Wunderglauben, der in seinen Selbstzeugnissen und von Weggefährten dokumentiert ist. Andererseits repräsentiert er deutlich pantheistische Tendenzen, und bei zunehmendem Alter wendet er sich immer mehr der antiken Götterwelt zu.

       Realität oder Fiktion? Diese Frage wird am Beispiel des Fundes der Poseidonstatue ausführlich diskutiert. Im Roman von Akrivos spielt Hochhauser eine zentrale Rolle bei der Entdeckung und Bergung des „Gottes aus dem Meer“.

       „Alfons Hochhauser und dessen Mythisierung“ ist dann das Thema des abschließenden Kapitels der vorliegenden Arbeit. Hier wird der Frage nachgegangen, wie ein Mann, der ein einfaches, der Natur zugewandtes Leben führte, für derartige Faszination sorgen konnte.

 

Besonders intensiv hat Makri zu den Geschichten und den vielen Versionen um Entdeckung und Bergung der Poseidonstatue vom Kap Artemision recherchiert. Diese antike Bronzefigur ist heute eine der größten Attraktionen im archäologischen Museum in Athen. In seinem Roman zitiert Kostas Akrivos einen angeblichen Tagebucheintrag in dem Alfons ausführlich über die Bergung der Statue berichtet, bei der er angeblich dabei war. Makri weist überzeugend nach, dass dieser Tagebucheintrag fiktiv ist. Eine Beteiligung von Hochhauser an Ortung und Bergung schließt sie aber auch aus anderen Gründen aus. 1926, als zunächst nur der Arm der Statue von Fischern geborgen wurde, lebte er als Bohemien in Thessaloniki und 1928, als Taucher schließlich die ganze Statue hoben, diente er als Schweinehirt in Palia Mitzella. Außerdem hat er zumindest in schriftlichen Selbstzeugnissen nie eine Beteiligung für sich reklamiert.
 

Weiterhin widersprüchlich bleibt allerdings Hochhausers Rolle während der Besatzung. Dass er der Naziideologie reserviert bis ablehnend gegenüberstand geht sowohl aus seinem Nachkriegstagebuch als auch aus seinen Kriegsberichten hervor. Und dass er viele Griechen durch seine Übersetzungsarbeit bei Verhören vor drakonischen Strafen oder gar vor der Exekution gerettet hat, haben viele Zeitzeugen bestätigt. Heftig umstritten ist jedoch der Vorwurf, er habe schon vor dem Krieg Tiefenmessungen in der Ägäis vorgenommen und sie an deutsche Militärstellen weitergegeben, die diese wegen des Einsatzes von U-Booten benötigten. Dies war auch der Grund für seine Ausweisung aus Griechenland 1939. Außerdem soll er seine Kartenskizzen vom Pilion an die Wehrmacht weitergegeben haben und dadurch dem Widerstand während der Besatzung geschadet haben. Die Wehrmacht fand sich nämlich in der   Wildnis des Nordpilion erstaunlich gut zurecht. Im Roman      von Akrivos geschah dies allerdings als Tauschakt: Als „Sühnemaßnahme“ wegen Partisanenaktionen sollte das Dorf Veneto niedergebrannt werden. Hochhauser soll das verhindert haben, indem er der Wehrmacht seine Pilionkarten übergab. Auch hier weist Makri überzeugend nach, dass dieser angebliche Tagebucheintrag Hochhausers fiktiv ist.

 

Kostas Akrivos hat keine Biographie geschrieben, auch wenn sein umfangreiches und vielfältiges dokumentarisches Material zunächst diesen Eindruck erwecken mag. Er nennt sein Buch einen Roman. In einem Interview beschreibt er seine Arbeitsweise: „Ich mobilisierte Tagebuchaufzeichnungen, Dokumente und persönliche Aussagen um rund um Leben und Tod des Mannes alles einzufangen. Und all dies sicher unter den Auflagen und Regeln der Fiktion.“[1] Dies geschieht aber nicht auf Kosten der „Wahrheit“. Kostas Akrivos setzt die romanhaften Techniken ein, um sein Bild von Alfons Hochhauser zu zeichnen. Makri formuliert es an einer Stelle so: „Im Grunde erweitert er die Wahrheit mittels Fiktion.“


[1] aus: EKDOSEIS / 3, Oktober 2010, DIADROMES, Oktober 2010

       Interview mit dem Schriftsteller aus Volos anlässlich seines letzten Buches

       Kostas Akrivos: Alfons hat mich gründlich gelehrt, was Unschuld und Würde sind

 

                                                                                      

Werner Helwig

Werner Helwigs Griechenland-Romane waren seit Jahren nur antiquarisch zu bekommen. Z.B. bei booklooker.de. Im April 2016 wurden die Romane der sog. Hellas-Trilogie nun vom S.Fischer-Verlag neu herausgebracht. In allen dreien ist Alfons Hochhauser als Clemens oder Xenophon der Protagonist.

 

Foto bei Ursula Prause

 

 Raubfischer in Hellas. 1939 

(Link zur Wikipedia-Seite)

 Im Dickicht des Pelion. 1941

(Link zur Wikipedia-Seite)

 Reise ohne Heimkehr. 1953

(Link zu einer Rezension in DIE ZEIT, 1953)

 

 

Kostas Akrivos

Im Mai 2010 erschien in Griechenland der Roman "Pios thymate ton Alfons" ("Wer erinnert sich an Alfons?") von Kostas Akrivos über Alfons Hochhauser.

Die deutsche Übersetzung von Hans-Bernhard Schlumm erschien dann 2012 unter dem Titel "Alfons Hochhauser - Der Barfußprophet von Pilion".

Zur Verlagsseite

Zur Rezension von Horst Möller

 

Kostas Akrivos, 1958 in Glafires bei Volos geboren, arbeitet als Lehrer für Griechische Literatur in der Sekundarstufe. Seit 1993 tritt er als Autor von Romanen, Erzählungen, Biografien, Antologien und

Lehrbüchern für den Gymnasialunterricht hervor. Akrivos ist mit einer Lehrerin verheiratet und lebt als Autor und Gymnasiallehrer für Griechisch und Literatur in Volos. Im Winter 2010/2011 erscheint auf Deutsch sein Roman Pandämonium im schweizer Waldgut Verlag.

Link zur Wikipedia-Seite

 

28. September 2011

Kostas Akrivos stellte sein Buch "Wer erinnert sich an Alfons?" beim Deutschsprachigen Verein Magnesiens in Volos vor.

                                                                                                                    

Als Dolmetscher und Übersetzer wirkten mit:

Dr. Hans-Bernhard Schlumm, Professor für deutsche Sprache an der Universität in Korfu und

Günter Brune, Altphilologe, Historiker und Übersetzer.

  

November 2012

Kostas Akrivos stellte sein Buch auf einer Lesereise in Deutschland vor.

 Kostas Akrivos - Alfons Hochhauser – Der Barfußprophet von Pilion
13. 11., Berlin, Griech. Kulturstiftung, Wittenberger Platz 3, 19:30 h
14. 11., Leipzig, Restaurant Ambrosia, Prager Str. 153, 19:00 h
15. 11., Köln, Bürgerzentrum, Alt. Feuerwache, Melchiorstr. 3, 19:30 h
16. 11., Bad Homburg, Stadtbibliothek, Dorotheenstr. 24, 19:30 h
17. 11., Witzenhausen, Burg Ludwigstein, 20:00 Uhr
 

Eine >Tondokumentation< der Veranstaltung auf Burg Ludwigstein am 17. November und Eindrücke von der Deutschlandreise von Autor und Übersetzer:

 

Berlin, Griechische Kulturstiftung am Wittenbergplatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

Leipzig, vor Auerbachs Keller und im Restaurant "Ambrosia" 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Vor dem Kölner Dom, beim Stadtbummel und bei der Lesung in Köln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Mit Niki Eideneier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Auf Burg Ludwigstein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Fotos von Sewastos Sampsounis, Größenwahn Verlag

 

Barfußprophet

mit Kostas Akrivos und Hans-Bernhard Schlumm (Übersetzer),  zusammengefasst von Sven Stemmer (Burg Ludwigstein)

Zum 15. Mal fand am Samstagabend auf der Burg Ludwigstein die Ringvorlesung statt. Es war ein literarisches Thema, das dieses Mal ein gutes Dutzend Zuhörer in den frisch eingeweihten Enno-Narten-Bau lockte. Der griechische Autor Kostas Akrivos und sein Übersetzer, Prof. Hans-Bernhard Schlumm, Literaturdozent an der Universität in Korfu, stellten ihr Buch über den „Barfußpropheten“ Alfons Hochhauser vor.

Hochhauser war ein Österreicher, der auf einer Sinnsuche mit sechzehn Jahren, ab 1922, das Mittelmeer umwanderte und sich schließlich auf dem Pilion niederließ. Dort führte er ein einfaches, geradezu bukolisches Leben, das einige Aufmerksamkeit auf sich zog. Auch der Autor Werner Helwig traf Hochhauser und freundete sich mit ihm an, als er sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem Verbot aller Bünde der Deutschen Jugendbewegung 1933 ins Ausland absetzte. Als sich die beiden wieder trennten, bekam Helwig von Hochhauser ein Manuskript von 22 Seiten, aus dem er dann seine berühmte Hellastrilogie schuf. Es sind die wichtigsten deutschsprachigen Romane über Griechenland. Der Band „Raubfischer in Hellas“ wurde im Jahr 1959 verfilmt. Die Bücher hatten eine sehr starke Wirkung auf die Deutsche Jugendbewegung und vermutlich auch unter den Hippies, die es Ende der sechziger Anfang der siebziger Jahre in Scharen nach Griechenland zog. 

Im Rahmen der Ringvorlesung wurde auch ein kurzes Filmdokument* von 1979 gezeigt, in dem Hochhauser selber zu Wort kommt. Er beschreibt darin sehr eindrücklich, welche Form von Glück er auf dem Pilion gefunden und auch seinen Gästen stets vermittelt hat. Nicht die Masse an Konsum oder Komfort führe zum Glücklichsein, sondern eine gewisse Genügsamkeit und ein Anspruch an Echtheit. Das frisch gebackene Brot auf dem Tisch mit dem eben geschöpften Quellwasser führe zu weit höherer Befriedigung als jede im Grunde unstillbare Gier der Gegenwart. 

Neben dieser Genügsamkeit war Hochhauser vor allem an ökologischen Themen interessiert. So setzte er sich stark für den Erhalt der Natur auf dem Pilion ein. Heute sind seine Ansichten aktueller denn je. Denn gegenwärtig werden die Wälder, in denen er sich wie ein Faun bewegte und das Leben auskostete, von den Besitzern, zumeist Klöster, zur Abholzung freigegeben. Die Institutionen brauchen Geld. Und auch die Bevölkerung zieht immer häufiger mit Axt und Säge in den Wald, denn es kommt der Winter, Heizmaterial ist teuer und Griechenland tief in der Krise. Es gibt vor Ort aber ein bürgerschaftliches Engagement, das sich für die Einrichtung eines Hochhauser Museums und den Erhalt der Wälder einsetzt. Erfolg ist Ihnen zu wünschen.

*Dabei handelt es sich um die Kurzfassung eines Videofilms, den Ulrich Bernhardt 1979 mit Hochhauser in Kuluri gedreht hat.

 

 

post@alfons-hochhauser.de